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Er hält Schädlinge und Krankheitserreger in Schach und verhilft gesunden Pflanzen zu üppigem Wachstum. Dies kommt wiederum Mensch und Tier zugute, weil wir uns nur mit gesunder Nahrung optimal ernähren können. Der Boden ist die Grundlage für das Leben auf der Erde und sein Zustand wirkt sich direkt auf die Qualität unserer Lebensmittel aus. Denn wenn es dem Boden nicht gut geht, nützen auch das beste Saatgut, gezielte Düngung oder Pflanzenschutzmassnahmen nichts.

Mehr Menschen, weniger Land

Trotz seiner Wichtigkeit wurde dem Boden bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Fakt ist, dass in der Schweiz jährlich bis zu 840‘000 Tonnen Erde aus Landwirtschaftsflächen abgeschwemmt wird. Weltweit sind es rund 23 bis 26 Milliarden Tonnen, was einem Verlust von einem Prozent pro Jahr entspricht (gem. LID und NFP 68).

Gleichzeitig hat die Globalisierung des Agrarhandels dazu geführt, dass reiche Staaten mit wenig Land ihre Lebensmittel immer öfters im Ausland anbauen lassen. Rund 60 Prozent der durch Schweizer Konsum und Produktion entstandenen Umweltbelastungen fallen laut einer Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) derzeit im Ausland an. Und es werden immer mehr, weil die Bevölkerungszahl steigt, die Landwirtschaftsfläche hingegen schrumpft. Zu bedenken gibt zudem, dass vor allem die Flächen mit den fruchtbarsten Böden überbaut werden, während die naturbedingt unproduktiven Flächen im Gebirge viel seltener als Siedlungsflächen genutzt werden. Am meisten Landwirtschaftsfläche verloren hat das Tessin mit minus 16 Prozent zwischen 1985 und 2009. Wo die Bewirtschaftung aufgegeben wurde, kamen Gebüsche und Wälder auf, weshalb der Kanton heute vielerorts verwaldet ist. Die Entwicklung im Wallis geht in dieselbe Richtung.

Wald im Tessin

Im Kanton Tessin holte sich der Wald innert 24 Jahren rund 16 Prozent der Landwirtschaftsfläche zurück, weil sich die Bewirtschaftung nicht mehr lohnte (Aussicht vom Monte Brè bei Lugano).

Humus als Nährstoffspeicher schwindet

In der Schweiz gehen jede Sekunde 1,1 Quadratmeter Landwirtschaftsland verloren. Unser Boden schwindet nicht nur durch Überbauungen, er verliert auch an Humus. Humus wird definiert als die gesamte tote organische Substanz im Boden. Er ist deshalb so wichtig, weil er die Oberfläche vor Erosion schützt und seine Bestandteile ein ausgezeichneter Speicher für Pflanzennährstoffe und wichtig für die Bodenorganismen sind.

Schweizweit weisen viele reine Ackerbaubetriebe negative Humusbilanzen aus und ehemals fruchtbare Torfböden sacken zunehmend ab, was auf eine sehr intensive Bewirtschaftung zurückzuführen ist.

Gleichzeitig wird der Boden mit der Mechanisierung der Landwirtschaft, die bis zu 60 Tonnen schwere Maschinen mit sich brachte, zunehmend verdichtet, was zu Störungen der Wasser-, Luft-, Nährstoff- und Wärmeversorgung führen kann und Überschwemmungen sowie Erosion begünstigt.

Grosse Maschine auf Feld

Je grösser und schwerer die Maschinen, desto mehr wird der Boden darunter komprimiert.

Reiches Bodenleben ohne Herbizide

Der Humusgehalt kann durch organischen Dünger wie Mist oder Kompost erhöht werden. Wenn die Mineralien im Gleichgewicht sind und der Boden genug Sauerstoff erhält, sind dank gesunden Pflanzen und einem reichen Bodenleben weniger Herbizide und Pflanzenschutzmittel nötig. Ein Forschungsteam der Berner Fachhochschule und Agroscope konnte im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP 68) sogar beweisen, dass Direktsaat in Kombination mit Gründüngung das umstrittene Herbizid Glyphosat überflüssig macht. Das Projekt wird voraussichtlich Ende 2018 abgeschlossen (hier klicken für Medienmitteilung).

Mehr Geschmack dank eigenem Kompost

Seit 1996 setzt Jakob Bürgi aus Feusisberg auf die Kompostierung von Grüngut. Nicht nur die Humusschicht hat sich so vergrössert, auch Unkräuter wie Blacken (Ampfer) sind weniger geworden. „Meine Erde ist dunkler und krümeliger, weil sie mehr Sauerstoff enthält und von Kleinstlebewesen (Bakterien) locker gehalten wird. Auch die Wurzeln der Pflanzen reichen viel tiefer“, erklärt der Bio-Bauer aus dem Kanton Schwyz. Weil die Nährstoffe in seinem Kompost (im Gegensatz zum herkömmlichen Dünger) nicht wasserlöslich sind, kann sie die Pflanze viel besser verwerten. „Das Gemüse wird aromatischer, nährstoffreicher und weniger wässrig“, weiss Jakob Bürgi.

Komposthaufen

Mit seiner Wendemaschine mischt und belüftet Jakob Bürgi den Kompost, bis er nach 8-10 Wochen fertig ist.

Obwohl er einen Grossteil der 500 Tonnen Kompost, die er jährlich produziert, selbst für den eigenen Betrieb braucht, wird der Direktverkauf an Gärtnereien und Privatpersonen immer wichtiger. „Man kann bei mir nicht nur Grüngut-Kompost kaufen, sondern auch das Gemüse in unserem grossen Garten gleich selbst ernten“, erklärt der innovative Bauer und hofft, dass dem Boden in Zukunft wieder mehr Beachtung geschenkt wird.

Hier geht’s zum Betrieb von Jakob Bürgi.

Quellen:

Nationales Forschungsprogramm (NFP 68). Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden. Medienmitteilung der Berner Fachhochschule 2016. Zollikofen: BFH-HAFL.

Dudda, Eveline. (2015). Boden unter Druck. Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID, 2015 (472). Bern: LID.