In den letzten 20 Jahren hat die Schweiz mehr als die Hälfte ihrer Milchproduzenten verloren. Das sind über 20’000 Betriebe, die infolge der untragbaren Preispolitik umsatteln mussten. Vor Kurzem musste der Bundesrat sogar mehrere Butterimporte bewilligen, um Engpässe zu vermeiden. Gegen diese absurde Situation kämpt Anne Chenevard als Präsidentin von Faireswiss. Die Milch-Genossenschaft ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und ist heute an über 400 Standorten mit ihrer fairen Milch vertreten. Anstelle der knapp 55 Rappen, was bei weitem die Produktionskosten nicht deckt, erhalten die Bauern einen Franken pro Liter “weisses Gold”.
Mucca.ch hat mit der Projektleiterin Berthe Darras über die aktuelle Situation der Milchbauern und die Ziele von Faireswiss gesprochen.

Was ist Faireswiss?

Der Startschuss fiel am 23. September 2019. An diesem Tag lancierten 14 Milchproduzenten, hauptsächlich aus den französischsprachigen Kantonen, die Faireswiss-Milch. Dieses Projekt besteht aus zehn Jahren Arbeit. Seit dem Milchstreik im Jahr 2009 kämpft die Bauernorganisation Uniterre dafür, dass die Milcherzeuger einen Franken pro Liter erhalten, der die Produktionskosten deckt. Nun wurde dieser Kampf belohnt! Die Verkäufe von fair gehandelter Milch übertreffen alle unsere Erwartungen. Seit Januar 2020 sind bereits 20 neue Mitglieder der Genossenschaft beigetreten. Aktuell haben wir Partner in Basel, Zürich, Luzern, St. Gallen, Tessin, Bern, etc. Und 2021 werden neue hinzukommen.

Wo findet man Faireswiss-Produkte?

In allen Manor-Läden in der Schweiz, aber auch in Spar-Läden. Man findet uns auch in örtlichen Lebensmittelgeschäften, Cafés und Restaurants. Insgesamt gibt es mehr als 400 Verkaufsstellen in der ganzen Schweiz.
Das Sortiment besteht aus einer UHT-Vollmilch und einer teilentrahmten Milch, die von Cremo verarbeitet werden. Weiter gibt es sechs Weichkäsesorten aus der Käserei Grand Pré in Moudon, Kaffeesahne (vorerst für Restaurants) und bald auch ein Fondue aus 50% Gruyère AOP und 50% Vacherin Fribourgeois AOP.

Weshalb wurde Faireswiss gegründet?

Die Schweizer Milchproduktion ist in Gefahr! Wir haben 2019 weitere 520 Milcherzeuger verloren. Wir sind dabei, unter die 19’000er-Marke zu fallen. Vor 20 Jahren gab es in der Schweiz über 40’000 Milcherzeuger: mehr als 50% haben aufgehört. Die Milchproduktion für 2019 ist historisch niedrig. Die Lagerbestände an Schweizer Butter sind auf einem Rekordtief. Als Folge davon hat der Bundesrat mehrere Butterimporte genehmigt, um Engpässe zu vermeiden.

Milch gibt es zwar genug, aber das Problem ist die Weiterverarbeitung. Statt mit ihr Schweizer Butter zu produzieren, stellt man Halbhartkäse fürs Ausland her. Dies ist ein erster Schritt zur Erleichterung von Milchprodukt-Importen, die aktuell hohen Steuern unterliegen – zum Schutz der heimischen Milchproduzenten. Doch wenn diese Steuern weiter fallen, dann ist das der garantierte Tod der Schweizer Milchindustrie. Und dann werden wir in Zukunft wohl oder übel Milch von ausländischer Massentierhaltung trinken müssen. Und das in einem Land wie die Schweiz.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Ganz einfach: Im Durchschnitt erhält ein Bauer 50 bis 55 Rappen pro Liter Industriemilch. Um die Produktionskosten zu decken, wäre aber mind. 1 Franken notwendig. Deshalb zählen wir auf Sie als Konsumentinnen und Konsumenten! Unterstützen Sie uns mit dem Kauf fairer Milch dabei, dass es auch morgen noch eine Milchproduktion in der Schweiz geben wird!

Weitere Informationen zu Faireswiss.ch finden Sie direkt auf unserer Homepage.

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